Formfeld
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Wände in Bewegung

Interaktive Gestaltung: Formfeld belebt digital generierte Oberflächen mit analogen Spiegelungs- und Lichteffekten

Blickfeld CES 2020

Im Vorbeigehen blitzt das eigene Spiegelbild auf. Leuchtpunkte wandern über eine Fläche. Ein Logo erscheint und verschwindet wieder. Formfeld bringt Wände in Bewegung – ganz ohne aufwändige Projektionen oder Bildschirme. Die Flächen werden belebt mit analogen Reflexions- und Lichteffekten, die sich abhängig vom Blickwinkel stetig verändern. Nach und nach entfaltet sich ein Motiv – und wird wieder unsichtbar.

Die Wandgestaltungen von Formfeld sind subtil und unaufdringlich, sie wirken fast wie zufällig und laden deshalb dazu ein, noch einmal genauer hinzuschauen. So entsteht wie von selbst ein Dialog zwischen den Betrachter:innen und der Oberfläche der Wand. „Wir gestalten Strukturen, die die Position der Betracher:innen mit einbeziehen“, erklärt Simon Vorhammer, Gründer von Formfeld und Experte für mathematisch geformte Oberflächen.

Die Grundlage für jede Wandgestaltung sind individuell berechnete Algorithmen, mit denen Formfeld einzigartige Oberflächen generieren kann. „Mithilfe von Algorithmen können wir komplexe Geometrien gezielt strukturieren und steuern“, erklärt Simon Vorhammer. So lassen sich lebendige Spiegelungs- und Lichteffekte präzise planen – wie bei dem Messestand für die Firma Blickfeld aus München. Formfeld entwickelte 2020 eine Rückwand aus 220 gefalteten Elementen aus verspiegeltem Alucobond, zusammengesetzt zu einem großen Relief.

Sequenzierte Reflektion

Die Winkel und Position der Faltungen waren so berechnet, dass vorüberlaufende Messebesucher:innen ihr Spiegelbild mehrfach und in verschiedenen Formationen zerlegt über die Wand laufen sahen. „Jede der Spiegelflächen ist auf einem bestimmten Punkt entlang eines Bewegungspfads ausgerichtet“, sagt Simon Vorhammer. „Auf den Bewegungspfad einer Besucherinnen oder eines Besuchers, die sich am Stand vorbei bewegen.“ Inspiriert zu dieser Gestaltung wurde Formfeld vom Aufgabengebiet des Unternehmens: Blickfeld stellt 3D-Scanner für die Automobilindustrie her, die die Umgebung abtasten können. Die reflektierende Rückwand übersetzt diese Prozesse in eine visuelle Erfahrung im Raum.

Adidas Digital Wood

Der Effekt eines Dialogs zwischen Betrachter:innen und Oberfläche lässt sich nicht nur durch Spiegelung, sondern auch mit Lichtquellen erzielen: Für die Zentrale von Adidas in Herzogenaurach konzipierte Formfeld einen zweiseitigen Raumtrenner aus Buchensperrholz mit maschinengefräster Reliefstruktur. In die organisch-bewegte Struktur eingearbeitet sind kleine Öffnungen für Lichtquellen, die als Muster zusammen das Logo des Sportartikelherstellers ergeben. Die hinterleuchteten Perforationen sind jedoch aufgrund der Oberflächenstruktur von der Seite nicht zu sehen. Erst wenn Betracher:innen an der Wand vorbeigehen, leuchtet das Logo auf und verschwindet dann langsam wieder. Bei diesem Projekt entsteht der Effekt ebenfalls nicht durch eine digitale Animation, sondern allein durch den Wechsel des Standpunkts. Die Betrachter:innen werden interaktiv mit einbezogen. „So entsteht eine gezielte Wechselwirkung zwischen Oberfläche, Raum und Körper im Raum“, erklärt Simon Vorhammer.
Auch bei einem dritten aktuellen Projekt wendete Simon Vorhammer ein ähnliches Prinzip an. Für das Café des Sudetendeutschen Museums in München gestaltete Formfeld eine Wandverblendung aus Holz mit einer algorithmisch berechneten, unregelmäßigen Oberfläche und hinterleuchteten Perforationen. Die Lichtpunkte stellen schematisch die ursprünglichen Siedlungsgebiete der Sudetendeutschen und die Migrationsbewegungen nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs dar. Da die Perforationen nicht senkrecht zur Oberfläche ausgerichtet sind, sondern in genau berechneten Winkeln, sind sie wie bei dem Adidas-Projekt nur aus bestimmten Blickperspektiven sichtbar. Bewegen sich Betrachter:innen nun entlang der Wandverblendung im Raum, veranschaulichen die aufscheinenden und wieder verlöschenden Lichtpunkte die Fluchtwege der Sudetendeutschen.

Unterschiedlich konfigurierte Facetten erzeugen differenzierte Reflexionsmuster

Neben den bereits realisierten Projekten entwickelt Simon Vorhammer weitere Beispiele für das Prinzip der bewegten, dialogischen Wandgestaltung. Dabei sind dank der digital gestützten Entwurfs- und Fertigungsverfahren viele Anwendungsmöglichkeiten denkbar. Etwa mit einer Studie, bei der ein algorithmisch berechnetes Element das Licht einer externen Lichtquelle spiegelt. Dabei ist die Oberfläche in unterschiedlich abgewinkelte Teilflächen fragmentiert, die je nach Lichteinfall und Blickwinkel unterschiedliche Muster ergeben – vergleichbar mit dem Facettenschliff eines Edelsteins.
Mehr zu den Projekten:
Adidas Digital Wood
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